Work-Life-Balance & Work-Life-Blend – 3 fatale Irrtümer

Mit der Work-Life-Balance habe ich so meine Erfahrung gemacht. Sie schien mir als logische und glücksbringende Idee. Es liegt doch auf der Hand, dass zu viel der Arbeit nicht nur Stress, sondern krank macht. Und dann ist es doch wohl völlig klar, dass da ein Gleichgewicht zwischen Work und Life her muss. Oder nicht? Es geht doch darum, sich vom Job nicht vollkommen vereinnahmen zu lassen. Sich einen Ausgleich zu schaffen.

Ja, sicher. Aber irgendwie an der Realität vorbei.

Arbeit und „Leben“ sind eben nicht immer im Gleichgewicht

Es ist faktisch nicht möglich, die Waage zwischen Arbeit und Privatleben ausbalanciert im Gleichgewicht zu halten. Und schon gar nicht permanent. Du baust gerade ein Haus und legst selbst Hand an? Du bereitest dich auf deinen ersten Marathon vor? Dann ist es vielleicht unumgänglich, bei der Arbeit ein wenig abzuspecken und auch andere Lebensbereiche in den Hintergrund zu stellen.

Du baust gerade dein Business neu auf oder um? Du bist eine Schlüsselfigur in einem großen Change-Projekt? Dann geht es vielleicht für eine Zeit nicht anders als dein Privatleben zu vernachlässigen.

Work-Life-Balance – Die Wortfahl führt in die Irre

#1 Irrtum – Das Leben ist schön – die Arbeit ist eine Last

Wir füllen unsere Lebenszeit mit vielen verschiedenen Tätigkeiten. Es liegt im Grunde auf der Hand, dass Arbeit und Leben untrennbar sind. Sie sind eins. Wer Arbeits- und Lebenszeit gedanklich voneinander trennt, unterstellt damit, dass Arbeitszeit wertlose Zeit ist. Dass man sich zur Arbeit zwingen muss. Dass Arbeit schwierig und eine Last ist. Arbeit hat wohl nichts mit Freude und „Leben“ zu tun.

Für die meisten Menschen ist doch das Gegenteil der Fall. Sie wollen etwas bewirken, sie wollen etwas bewegen. Sie wollen arbeiten! Für manche Menschen sind Sinn und WERTvolle Arbeit sogar untrennbar miteinander verbunden.

Der Beruf ist mit Herausforderungen, Kontakten und Kompetenzen verbunden. So können wir uns entwickeln. Daran können wir wachsen.

Die meisten Menschen könnten sich ein Leben, das nur aus „Life“ besteht, gar nicht vorstellen. Es würde ihnen nicht gerecht werden.

Und schon gar nicht die Menschen, die spüren, dass sie einen besonderen Beitrag leisten wollen. Dass sie etwas zu sagen haben und gehört werden wollen. Das sind die Menschen, die als Selbständige etwas ganz eigenes verwirklichen wollen, um etwas zu bewegen. Oder diejenigen, die als Angestellte Positionen anstreben, in denen sie etwas bewirken und ihr innerstes Anliegen nach außen tragen können.

#2 Irrtum – Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps

Die Idee der Work-Life-Balance suggeriert, dass sich Arbeit und Freizeit klar voneinander abgrenzen lassen. Es unterstellt, dass pünktlich um 17:00 h auf den Nicht-Arbeitsmodus umgestellt werden kann. Warum sollte das so sein? Gerade „Wissensarbeiter“ können ihrem Kopf kaum den Feierabend befehlen. Was ist, wenn beim Joggen endlich die zündende Idee für das nächste Meeting mit dem Team kommt? Bloß den Gedanken nicht weiterdenken? Auf jeden Fall verdrängen? Natürlich nicht!

Was ist, wenn bei der Erstellung einer Präsentation einfällt, dass ja heute der beste Freund Geburtstag hat? Schnell wieder vergessen? Natürlich nicht!

Der Kopf ist immer aktiv. Das Hirn kennt den Unterschied von Büro- und Freizeit nicht.

#3 Irrtum – Freizeit ist eindimensional

Wir sprechen häufig von DER Arbeit und DER Freizeit. Fakt ist aber doch, dass es neben der Arbeit viele verschiedene Themen gibt, mit denen man sich beschäftigen kann – Familie, Freunde, Hobbies, Gesundheit, Finanzen…  Ich spreche hier gerne von 7 Lebensbereichen.

Diese Lebensbereiche greifen ineinander und lassen sich auch von der Arbeit nicht immer trennen. Gesund leben bedeutet eben auch während der Arbeitszeit Pausen machen, Wasser trinken, Kontakte pflegen usw.

Das Thema ist vielschichtig und lässt sich eben nicht auf die Zeit 9 to 5 und „danach“ reduzieren. Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Erfüllung entstehen, wenn alle Lebensbereiche bedient werden. Das muss nicht in gleichem Maße sein! Die Bedürfnisse der Menschen sind hier ganz unterschiedlich. Es kommt darauf an, für sich selbst herauszufinden, wo man hier steht und wohin man eigentlich wollte.

Wenn du wissen möchtest, wie zufrieden du in deinem Leben bist und wo du in den einzelnen Lebensbereichen stehst, mache gerne meinen Selbsttest dazu:

zum Selbsttest

Ich bin der Balance hinterher gelaufen

Ich selbst habe lange Zeit gedacht, dass die Balance zwischen Work und Life doch einfach zu schaffen sein MUSS. Fokus, Konzentration, Disziplin und Planung sollten helfen. So sollte die Gelassenheit und Ausgeglichenheit kommen. Ich geriet in eine Spirale. „Wenn es mit der Balance und der Ausgeglichenheit nicht klappt, dann fehlt es wohl noch an Fokus, Disziplin und Planung“, so dachte ich. Also: Mehr Fokus, mehr Disziplin… Die Buchhandlungen sind voll mit Büchern zu diesem Thema. Es MUSS es doch klappen. Fehlanzeige. Nur Erschöpfung und Frust.

Ich hatte mich in etwas verrannt. Und zwar so sehr verrannt, dass es zeitweilig zu meinem größten Stressfaktor wurde.

Es ist unmöglich, dass ich mich von einem Klienten verabschiede und sofort an etwas anderes denke. Es ist unmöglich, dass ich zu klar abgegrenzten Zeiten nur an mein Business und meine Themen denke. Die Dinge, die ich in meinem Leben tue, liegen mir am Herzen. Ich bin mit Leib und Seele in meinen Job vertieft. Das was ich dort verkörpere, lege ich „nach Feierabend“ nicht einfach ab. Und andersherum. Das gehört zu mir und meiner Persönlichkeit! Es macht mich glücklich, mich auf Menschen, Themen, Dinge voll und ganz einzulassen und mich zu vertiefen. Das lässt sich eben nicht um Punkt 17 Uhr abstellen.

Work-Life-Blend – der Glücksbringer?

Fast wäre ich auch auf diesen Trend hereingefallen. Die Vorstellung, dass meine Arbeits- und Lebenswelt harmonisch und reibungslos miteinander verschmelzen ist doch herrlich. So wie Rotwein und Schokolade miteinander verschmelzen. Zwei Genussmittel, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, sind gemeinsam noch explosiver und zarter als allein. So will ich es auch haben. Mit Leben und Arbeit. STOP! Schon wieder ein Ansatz, der begrifflich Leben und Arbeit trennt! Und: Ist es überhaupt realistisch, dass alles immer harmonisch und reibungslos miteinander verschmilzt? Schliesslich harmoniert nicht jeder Wein mit jeder Schokolade. Denn wenn der Krisenfall eintritt und der Wein korkt, kann von Harmonie und Genuss nicht die Rede sein.

Worum es eigentlich geht! Lebensbalance

Nun, halten wir der Idee des Work-Life-Blendings zugute, dass es hier um die Mischung geht. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass diese Mischung immer dazu führt, dass es geräuschlos abgeht und die Übergänge permanent fliessend sind. In meinem Leben überlagern sich arbeits- und Nicht-Arbeitssphären permanent. Das ist genau das, was ich persönlich mir wünsche. ABER: Auch für mich macht regelmäßig die Trennung dieser Sphären Sinn! Mein Kopf braucht auch mal anderes Futter, mein Körper braucht Bewegung, mein Herz braucht meine Familie und meine Freunde, mein Energielevel braucht frische Luft und ICH-Zeiten. Es gibt Zeiten, in denen brauchen die Kinder mich besonders und es gibt Zeiten, da gehe ich in meinem Job besonders auf.

Und natürlich ist es der Wunsch vieler Menschen, Arbeit und Nicht-Arbeit räumlich komplett zu trennen. Mein Mann zum Beispiel lehnt eine Home-Office-Lösung für sich ab, obwohl er rund um die Uhr aktuelle Entwicklungen im Auge haben muss und an zwei Standorten arbeitet. Er hat in beiden Städten Arbeitsplätze. Er braucht den Austausch mit Kollegen und Kunden persönlich und vor Ort. Er braucht das Gefühl, seine Aufgaben ruhen lassen zu können.

Wenn es nicht um Work-Life geht… Worum geht es dann? Ich denke, es geht darum, seine eigene Lebensbalancezu finden. Es geht darum, sich klar zu machen, welche Lebensphase welchen Einsatz erfordert, wie der persönliche Lebensstil sein soll und was man wirklich will. Langfristig, aber auch kurzfristig. Es geht darum, die Lebensfreude und die Lebensenergie aufrecht zu erhalten und mit dem, was man tut und wie man lebt eine Einheit zu bilden. Das erfordert SelbstBewußsein, Klarheit und immer wieder Kursänderungen. Hört sich einfach an, oder? Ist aber manchmal leichter gesagt als getan…

Falls du dich jetzt fragst, wie das gehen soll und wie du starten kannst, empfehle ich dir meinen Selbsttest.

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Viel Spaß damit!

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