Die Bahn kommt – vielleicht. Mach‘ einfach das Beste draus.

Es ist gar nicht so leicht, aus manchen Situationen das Beste zu machen. An einem sonnigen Tag machte ich mich diese Woche fröhlich auf den Weg zum Hauptbahnhof, um mit der Bahn nach Bremen zu fahren. Ich hatte eine ruhige Fahrt vor mir, in der ich ein paar Dinge erledigen konnte und anschließend ein gutes Buch mit vielleicht einem Glas Rotwein, erwartete mich. Herrlich.

Zeit für Ruhe und Muße

Es gibt Tage, da liebe ich es einfach, in die Bahn einzusteigen und in Ruhe und gelassen ein paar Dinge zu tun. In Ruhe zu lesen, ein wenig aus dem Fenster zu schauen und zu träumen. Manchmal beobachte ich die anderen Fahrgäste und stelle mir vor, wie sie vielleicht leben und wie es ihnen so geht.

Manch einer mag eine lange Bahnfahrt als lästig und anstrengend empfinden. Ich versuche die Zeit, die ich während der Fahrt gewinne als Möglichkeit zu sehen. Als Möglichkeit für Ruhe und die Muße, ein paar Dinge in Ruhe zu tun. Ohne Telefon. Ohne eingehende Mails. Ohne WhatsApp. Ohne den Drang, gerade noch dies oder das zu erledigen.

Es kam anders

Nun, es kam anders. Die Bahn kam pünktlich, musste aber leider wegen einer Störung auf den Gleisen 20 Minuten stehen bleiben. Kein Problem für mich. So würde ich später auf meine Anschluss-Regionalbahn nicht so lange warten müssen. Die große Erleichterung als die Bahn tatsächlich nach 20 Minuten weiterfahren konnte, wich schnell allgemeiner Ernüchterung. Endstation Hagen. Triebwerkschaden. ALLE aussteigen. Lange Gesichter und viel Murren.

Der Bahnmitarbeiter war Gold wert

Ich dachte nun auf Chaos und mürrische Mitarbeiter der Bahn zu treffen. Schließlich wurde es sehr schnell sehr voll auf dem Bahnsteig in Hagen. In so einen EC passen doch viele Menschen, stellte ich fest.

Der Bahnmitarbeiter – der arme Mann war allein auf weiter Flur – riss es tatsächlich raus. Er brüllte, ohne Lautsprecher, seine Anweisungen mit Humor und Gelassenheit über den Bahnsteig. Und gleichzeitig entschuldigte er sich für die Unannehmlichkeiten. Großartig. Er erntete Applaus, die Stimmung stieg,

Dinge nehmen, wie sie kommen und das Beste draus machen

Die Szene hat mir die Augen geöffnet: Tatsächlich ist es von Bedeutung, wie EIN Mensch agiert und reagiert. Es hatte positiven Einfluss auf alle Anwesenden.

Es wäre sicherlich langweilig, nun alle weiteren Züge und Pannen aufzuzählen, mit denen ich im Laufe des Abends noch konfrontiert wurde. Ich brauchte für die Strecke die doppelte Zeit und kam erst nachts in meinem Hotel an.

Aber bis dahin hatte ich viel Spaß. Und ich habe viele Leute kennen gelernt. Den Berater, der sich gut mit Verkehr und Logistik auskannte. Die Dame, die sich politisch und literarisch als durchaus bewandert erwies. Das wirklich sehr, sehr müde und aufgeregte Kleinkind, das versuchte seine Augen offen zu halten. Der Mann mit Cowboyhut, der noch nach Kiel musste und darüber lachte, dass er einen vorherigen Zug absichtlich hatte sausen lassen. Und vor allem die nette Frau mit der ich in dem Zug, der uns dann tatsächlich nach Bremen brachte, mit einem Carlsberg anstieß und so viel zu lachen hatte, als würden wir uns schon lange kennen. Selbst der Preis für die Dose Bier und der mürrische Bahnmitarbeiter dort konnten unsere Laune nicht trüben.

Und die Moral von der Geschicht…

Ich hatte überhaupt kein bisschen Zeit und Muße während dieser Reise. Ich habe nichts erledigt, mein Buch nicht gelesen und auch keinen Rotwein getrunken. Aber ich hatte tatsächlich Spaß und bin müde, aber mit einem Gefühl von Leichtigkeit irgendwann im Hotel angekommen. Ich hatte einen wirklich netten Abend. Mit interessanten Menschen, guten Gesprächen und lustigen Begebenheiten.

Zwischendurch habe ich mal kurz den Impuls verspürt, verärgert und genervt zu sein. Glücklicherweise bin ich auf Menschen gestoßen, die mich abgelenkt haben. Was hätte das an dem eigentlichen Problem geändert? Nichts! Wie hätte es meine Situation verändert? Immens! Ich wäre völlig genervt und schlecht gelaunt in Bremen angekommen und hätte die schlechte Laune mit in den nächsten Tag getragen.

Früher oder später kommt man doch ans Ziel, wenn man es nicht aus den Augen verliert. Manchmal auf Umwegen und dennoch fröhlich!

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