Dein Plan geht nie auf? Warum du trotzdem planen solltest.

Ich liebe es, alles in einen Plan und Strategien zu fassen. Theoretisch. Die Idee, dass ich alles in meinem Leben so organisieren und planen könnte, dass die Kleinigkeiten einfach wegorganisiert und weggeplant sind, gefällt mir außerordentlich gut. Und dann hätte ich nur noch Zeit für das Wesentliche. Herrlich. Keine Hektik, kein Stress, keine unerledigten Aufgaben. Abende ohne Buchhaltung und Wäsche. Ist das nicht ein toller Traum?

Ja, sicher. Aber vollkommen an der Realität vorbei. Macht‘ nix. Träume sind erlaubt. Wichtig ist zu wissen, was realistisch ist und was nicht.

Ständig passiert Unvorhergesehenes

Wenn der Alltag sehr dicht und voll ist, ist es beinahe unablässig, zu planen. Es entsteht eine Tagesstruktur, eine gewisse Ordnung des Tages, der Wohnung, der Arbeit, des Büros. Alles läuft hervorragend. Bis etwas Unvorhergesehenes passiert. Mein Sohn ruft aus der Schule an und hat sich den Fuß umgeknickt. Er muss nicht nur direkt aus der Schule abgeholt werden, nein, es folgen Arzttermine, ein MRT und noch mehr Arzttermine. Die Spülmaschine läuft aus. Ich muss nicht erklären, was das zur Folge hat… Und dann stelle ich auch noch fest, dass ich ja übrigens auch nur ein Mensch bin und mich Kopfschmerzen und Müdigkeit zu einem völlig unproduktiven Menschen machen können. Und dann hat ein Kunde ein plötzliches Problem und braucht Unterstützung. Und zwar sofort.

Und für all‘ diese Dinge habe ich keinen Masterplan, der wie ein automatisierter Produktionsprozess einfach losläuft. Aber ich habe Handlungsoptionen im Kopf. Bei mir haben sie viel mit WENN….DANN zu tun. WENN ich jetzt meinen Sohn aus der Schule abholen muss, DANN kann ich der geplanten Blog-Post entweder heute Abend fertig schreiben oder ich veröffentliche ihn später. WENN ich heute Abend nicht pünktlich schlafen gehen, werde ich morgen so erschöpft sein, dass nicht mehr geht. Entscheidung: Die Veröffentlichung erfolgt später.

Ich plane, um mich zu entlasten

Solche wenn – dann – Routinen können aber nur dann stattfinden, wenn ich Ziele und Pläne habe. Wenn ich mir Leitplanken gesetzt habe und wenn ich unterscheiden kann, was wichtig und was dringlich und was eine Kombination aus beidem ist.

Ich bin lange in der irrigen Annahme durchs Leben gelaufen, dass alles nur eine Frage der Organisation ist. Der Druck, den ich mir selbst gemacht habe, ist unvorstellbar geworden. Und ehrlich gesagt, hat er mir körperlich und mental massiv geschadet.

Heute plane ich, um auf Unvorhergesehenes besser reagieren zu können. Damit ich sehr schnell Prioritäten setzen kann und Entscheidungen fällen kann.

Und: Ich weiche manchmal einfach ab, weil ich keine Maschine bin. Es gibt Tage, da kann ich einfach nicht mehr. Akku leer. „Matsche im Kopf“, nannte mein Sohn das neulich. Und dann lasse ich auch mal alles stehen und liegen. Die Post, die Mails, die Wäsche,… Und häufig hat es gar keine Auswirkungen. Und manchmal eben doch. Dann fallen mir die Postberge oder die unbeantworteten Mails doch auf die Füße. Ja, und ich ärgere mich dann über mich selbst. Aber inzwischen weiß ich einfach, was passiert, wenn ich ständig über meine Grenzen gehe. Und ich stelle mir dann die Frage, wie ich in drei Jahren über die Postberge denke. Vermutlich kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Aber die Erinnerung an einen dauerhaften Erschöpfungszustand verblasst nicht. Das weiß ich aus Erfahrung.

Ich könnte jetzt lange darüber nachdenken und schreiben, wie wichtig es ist, seine Energien und Ressourcen zu erhalten. Und warum es mir immer wieder passiert, dass ich nicht genug aufpasse. Aber darüber in einem anderen Blogbeitrag.

Wichtiges von Unwichtigem und Dringlichem unterscheiden

Ich plane von oben nach unten oder von grob zu fein. Ganz oben in der Planungspyramide stehen meine langfristigen Ziele. Wie ich leben möchte. Was mir persönlich wichtig ist. Was ich mir mit und in der Familie wünsche. Was ich mit meinem Business erreichen möchte. Was brauche ich persönlich, um in meiner Kraft zu bleiben?

Und dann breche ich das auf kurzfristigere und mittelfristige Ziele hinunter. Und dann überlege ich, wie ich das alles auf die Straße bekommen kann. Und prüfe immer wieder: Sind meine Ziele realistisch? Kann ich das wirklich alles schaffen? Ich muss sagen, diese Schleife muss ich immer wieder einbauen, weil ich mich sonst massiv überfordere. Es hat ein paar Jahre gedauert bis ich akzeptieren konnte, dass eine volle Berufstätigkeit, freie Abende und Wochenenden und gute Zeit mit und für die Kinder einfach nicht geht!

Aber die Auseinandersetzung mit meinen übergeordneten Zielen, Wünschen und Visionen und meinen Anspruch an mich als Mutter geben mir klare Hinweise auf die wichtigen und wesentlichen Dinge in meinem Leben.

Und das ermöglicht mir eine Wochen- und Tagesplanung mit Priotitäten.

Die größten Planungsfehler

Einer der größten Fehler liegt in der Planung von unrealistischen Zielen. Es ist einfach nicht realistisch, in einer Woche 5 kg abzunehmen. Es ist auch nicht realistisch, IMMER eine aufgeräumte und saubere Wohnung zu haben usw.

Der nächste Fehler liegt in der Verplanung der zur Verfügung stehenden Zeit zu 100%. Und wenn du Kinder hast, sinkt der Anteil der zu verplanenden Zeit. Plane unbedingt Puffer ein. Für kranke Kinder und sonstige unvorhergesehenen Familienthemen, aber auch für Tätigkeiten, die mehr Zeit brauchen, für Kunden, Mailbeantwortung usw. Und plane Zeiten für Erholung und Entspannung ein. Die Zeitplanung ist aus meiner Sicht der Schlüssel, gelassen und voller Power durch den Alltag zu marschieren.

Ein weiterer großer Fehler liegt darin, keine Szenarien für unvorhergesehene Ereignisse im Kopf zu haben. In meinem Fall sind das die oben erwähnten WENN – DANN – Routinen.

All das geht nicht ohne das richtige Mindset

Du meinst, dann schaffst du nichts? Du meinst, ein Pferdchen sollte höher springen als es muss? Tja, für mich ist das nicht der richtige Weg. Wenn ich ständig meiner Planung und meinen Zielen hinterher laufe, bin ich genervt und gestresst. Es ist normal, dass die Dinge nicht immer nach Plan laufen. Es ist normal, dass wir nicht jeden Tag gleich leistungsfähig sind. Und es ist normal, dass Kinder krank werden.

Akzeptiere deinen Plan als einen Entwurf, den du gemacht hast als du noch nicht wusstest, wie die Zukunft wirklich sein wird. Akzeptiere, dass es dann anders kommt und gehe flexibel damit um.

Unplanmäßige Ereignisse sind der Normalzustand. Eine positive Einstellung dazu ist schon der halbe Erfolg.

Planen macht frei oder unfrei – du entscheidest

Wenn du Planung und Organisation so betrachtest, macht dich so ein Plan frei. Die Klarheit verschafft dir Handlungsoptionen und Freiräume. Aber zu glauben, dass man unter allen Umständen an einem Plan festhalten muss, engt ein. Gerade die unter uns, die alles perfekt machen wollen, neigen dazu. Nach meiner Erfahrung ist es sinnvoll, mit Hindernissen und Hürden flexibel umzugehen und immer wieder Ziele, Visionen und die Wege dorthin anzupassen.

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